Kategorie-Archiv: Artenschutz

Gemeinsam für den Artenschutz

Die wissenschaftliche Vogelberingung dient zwar grds. als Auswertungs- und Analyseverfahren. Dennoch ist es unser Ziel, die Ergebnisse aus unserem Projekt für den Artschutz zu verwenden. Dabei fließen die kleinräumigen Ergebnisse aus dem Landkreis Vechta in die europaweite Datenbank ein. Hier werden dann großräumige Analysen erstellt, die sich in Maßnahmen auf internationaler Ebene widerspiegeln.

Aber auch vor Ort wollen wir als Beringergruppe bereits aktiv den Artschutz unterstützen. Somit wartet man nicht erst die Erkenntnisse aus dem Beringungsprojekt ab, sondern unternimmt schon etwas im Vorfeld. Da wir durch diesen vorweggenommenen Artenschutz u. U. auch steigende Individuen- und Artenzahlen haben, bietet dies  auch ein größeres Potential für unsere Beringungstätigkeit.

Neben der Netzberingung haben wir 2011 erstmalig damit begonnen, auch Nestlinge in Nistkästen zu beringen. Dies hat sich als ziemlich erfolgreich erwiesen (Jungvögel haben wir in unseren Projektflächen wiedergefangen), sodass wir Anfang 2012 ein groß angelegtes Nistkastenprojekt initiiert haben. Aufgrund der finanziellen Unterstützung der NABU-Kreisgruppe Vechta, der BUND-Kreisgruppe Vechta und der SUN (Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Vechta) konnten insgesamt 120 Nistkästen der Firma Schwegler angeschafft werden. Da wir einen sehr guten Rabatt aushandeln konnten, haben sich weitere (NABU-)Gruppen und Privatpersonen der Bestellung angeschlossen, sodass insgesamt 260 Nistkästen bestellt werden konnten.

Zeitgleich wurden lokale Naturschutzverbände angefragt, ob deren Nistkästen in das Projekt integriert werden können. Somit stehen (theoretisch) 800 Nistkästen für die Nestlingsberingung innerhalb des Projektes zur Verfügung.

Folgende Gruppen beteiligen sich:

  • NABU-Ortsgruppe Bakum
  • NABU-Ortsgruppe Dinklage
  • NABU-Ortsgruppe Damme
  • Naturschutzzentrum Dammer Berge
  • Kreisjägerschaft Vechta
  • NABU-Ortsgruppe Steinfeld
  • NABU-Ortsgruppe Lohne
  • NABU-Ortsgruppe Vechta
  • NABU-Ortsgruppe Holdorf
  • Obstbauer Otto Themann

In welchem Umfang diese Nistkästen in das Projekt einfließen wird noch untersucht – die zeitlichen Ressourcen für die Beringung innerhalb der kurzen Nestlingsperiode müssen dafür durch uns gegeben sein.

Die Nistkästen, die in das Projekt einfließen, werden mit einer einheitlichen Nummerierung versehen und GPS-lokalisiert. Somit lassen sich Brutorttreue und Verteilungsmuster der einzelnen Vogelarten gut dokumentieren.

Die lokalen Medien zeigen großes Interesse an Nistkastenaktionen, sodass drei Zeitungen von unserem Projekt berichteten (siehe Publikationen).

260 neue Einfamilienhäuser im Landkreis Vechta – Singvögel bekommen neue Nistmöglichkeiten

Mit einer kleinen Idee hat es begonnen – und das Ergebnis ist überwältigend!“ kann sich Frank Rieken als Mitinitiator des Nistkastenprojektes an den letzen Herbst erinnern. Zunächst hatte er mit Otto Themann und Holger Schürstedt den Ansatz, in Obstbaumplantagen und den öffentlichen Bereichen von Lutten, einige Nistkästen aufzuhängen, um den Singvögeln ein Zuhause zu bieten und für Kindergarten und Schule ein Naturanschauungsobjekt zu entwickeln. „Außerdem sind Singvögel die besten Schädlingsbekämpfer in den Plantagen“ weiß Obstbauer Otto Themann, der bereits seit Jahren gute Erfahrungen mit Nisthilfen gemacht hat. Die NABU-Kreisgruppe Vechta und die BUND-Kreisgruppe Vechta haben umgehend angeboten, das Projekt zu unterstützen – auch die SUN (Stiftung für Umwelt- und Naturschutz im Landkreis Vechta) war sofort zur Stelle.

Aufgrund des hohen Bestellwertes konnte bei einem renommierten Hersteller von hochqualitativen Nistkästen ein so guter Rabatt verhandelt werden, dass eine Vielzahl von Privatpersonen und NABU-Ortsgruppen im Landkreis Vechta mitbestellt haben. „Wir mussten bei 260 Nistkästen die Bremse ziehen, damit wir der Logistik noch Herr werden konnten“ berichtet Frank Rieken. Die einzelnen Kästen sind nun nummeriert und werden in den nächsten Wochen aufgehängt. „Es wird auch Zeit, denn die Balzzeit hat bei einsetzendem milden Wetter schon begonnen“, ergänzt Biologe Holger Schürstedt. Das Projekt hat zudem noch einen wissenschaftlichen Zweck: die Nutzung der einzelnen Nisthilfen wird jährlich erfasst und die Jungvögel mit Ringen der Vogelwarte Helgoland gekennzeichnet, um deren Ansiedlungsverhalten und Standorttreue zu erforschen.