Wissenschaftliche Vogelberingung

Die Wissenschaftliche Vogelberingung

Fragestellung

Vor dem Hintergrund der Klimaveränderung sind ornithologische Daten, die die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen auf die heimische Avifauna dokumentieren, von höchstem Interesse. Die Mönchsgrasmücke, für die in den letzten Jahren vermehrt Überwinterungs­nachweise erbracht wurden, ist ein gutes Beispiel für eine mitteleuropäische Population, die zumindest in Teilen im Wandel begriffen ist, sich vom Zugvogel zum Standvogel zu entwickeln.

Es wird der Fragestellung nachgegangen werden, in wie weit im Raum Vechta-Goldenstedt Veränderungen in der Zusammensetzung winterlicher Vogelgemeinschaften sowie im Überwinterungsverhalten von Singvögeln feststellbar sind.

Des Weiteren soll der Frage nachgegangen werden, in wie weit auf lokaler Ebene ein Wechsel zwischen räumlich benachbarten Aufenthaltsgebieten stattfindet.

 

Methodik

Hierzu werden vorwiegend im Winterhalbjahr mittels Japannetzen in vier ausgewählten Fanggebieten überwinternde Singvögel gefangen und beringt. Um eine Beurteilung treffen zu können, in wie weit es sich bei den gefangenen Arten/Tieren um lokale Brutvögel handelt oder um Wintergäste, sollen ergänzende Fänge auch während des Sommerhalbjahres und während der Brutzeit (Nistkästen) stattfinden. Zur Anlockung wird in der Nähe der Netze Futter angeboten.

 

Auswahl der Fanggebiete

Aufgrund von persönlichen Gegebenheiten und der Ausweitung des Projektes sind die Fanggebiete noch nicht abschließend festgelegt. Weiterhin ist eine genaue Eingrenzung durch die Beringung von Nestlingen noch nicht möglich.

Somit gibt es Kernfanggebiete (in denen mit Japannetzen gefangen wird) und Gebiete, die entweder lediglich durch Nistkästen oder punktuell/sporadisch untersucht werden.

Nachfolgend werden die Fanggebiete kurz charakterisiert:

  • Obstwiese: Bei der Obstwiese handelt es sich um eine extensiv durch Rinderbeweidung genutzte Streuobstwiese, die durch die NABU-Ortsgruppe Vechta gepflegt wird. Das Alter der Obstbäume beträgt ca. 6 Jahre. Die Obstwiese (ca. 8.000 qm) ist z.T. umgeben von Gebüschen und Eichen (ca. 60 Jahre alt). Nördlich und westlich Grenzen landwirtschaftliche Flächen (Erdbeeren und Mais), sowie südlich und östlich Wald- bzw. Brachflächen an die Streuobstwiese. Durch Kompensationsmaßnahmen wurde 2009 die Obstwiese auf die doppelte Fläche erweitert und zusätzlich eine größere Wasserfläche angelegt (ca. 10×60 Meter). Bislang werden hier lediglich Nestlinge beringt (ab 2009).
  • Obstplantagen: Hierbei handelt es sich um intensiv genutzte Obstbaumplantagen, die sich in unmittelbarer Nähe zu den beiden Hauptfangplätzen in Lutten befinden. Ab 2011 wurden erste Nestlingsberingungen durchgeführt. Der Nistkastenbestand wurde 2012 von ca. 40 auf ca. 100 Nistkästen erhöht. Zukünftig soll die Nestlingsberingung in dieser Projektfläche weiter intensiviert werden.
  • Langförden: Das Fanggebiet liegt am Rande einer kleinräumigen Siedlung aus den 30er Jahren mit sehr großen Gärten (ca. 1200 qm) mit z.T. Kleinviehhaltung. Im Rahmen des Haussperlingprojektes von Frank Rieken werden seit 2005 Vögel beringt. Ab 2008 ist die Fangaktivität intensiviert und auf andere Arten erweitert worden.
  • Lutten: Mit Gebüschen und Stauden reich strukturierter Garten mit angrenzenden Feuchtbiotopen (Teiche; Weidengebüsche; Hochstaudenfluren). Hier werden seit 2008 Singvögel beringt. Ca. 100 Meter (in den Siedlungsbereich hinein) entfernt ist der nächste Projektgarten, der jedoch weniger strukturreich ist und ab 2009 das Hauptfanggebiet des Projektes darstellt.
  • Vechta: Hausgarten (Vechta Zentrum) inmitten einer Wohnsiedlung aus den 60er Jahren. Durch die großen Grundstücke (ca. 1000 qm) sind sehr gute Baum- und (beerentragende) Strauchstrukturen vorhanden. Dieses Fanggebiet wurde zwischen 2007 und 2009 genutzt – musste jedoch aufgrund eines Umzugs aufgegeben werden.
  • Lohne-Brägel: Großes Gartengrundstück (ca. 2.000 qm) inmitten eines Gewerbegebietes. Angrenzende Teiche, Hühnerhaltung und die Nähe zu einer Getreidemühle machen dieses Fanggebiet besonders interessant. Hier wurde ab 2011 begonnen, mit Japannetzen zu fangen.